Im Jenseits gibt es keine Pralinen von Maria Zaffarana

Stillos wie eine schlaffe Mettwurst sackt Albert Friedberg auf dem eiskalten Fußboden seiner Küche zusammen – und stirbt. Umgehend ernüchtert ist er, als er sich bei seiner eigenen Beerdigung wiederfindet und unmittelbar danach in einer gegenstandslosen Landschaft auf Heinrich Böll, sein großes Idol, trifft. Nicht weniger aufwühlend ist die Begegnung mit seiner Mutter, mit der er entlang einer mit Emotionen und Erinnerungen gesäumten Straße ein rot getünchtes, gebäudeähnliches Konstrukt erreicht, das sogenannte Syndikat. Dort sieht sich der Schriftsteller inquisitorischen Fragen gegenüber, die mit zügelloser Schamlosigkeit in ihn eindringen. Ausgesetzt einem Strom von Erinnerungen, Zweifeln und Selbstreflexionen, gelangt er zu einer bitteren Erkenntnis. Ist das die Chance für einen Neuanfang? Und kann Heinrich Böll ihm dabei sogar helfen?


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Im Jenseits gibt es keine Pralinen

Textschnipsel aus „Im Jenseits gibt es keine Pralinen“

In anmutigen Schweigen versunken! Unverortet, so sitzt er da in der nur mehr karg ausgestatteten Bühne einer gegenstandslosen Landschaft: Heinrich Böll! Über dem Knie hat er ein Buch aufgeschlagen, auf das er mit verwegener Intensität hinabblickt. Fühlt es sich so an, wenn das Gehirn plötzlich anfängt zu stolpern? Ich fürchte ja!

Um etwa halb acht hat mein Herz einfach so aufgehört zu schlagen. Ungefähr viereinhalb Stunden ist das jetzt her. Seitdem liege ich alter Sack reglos auf dem eiskalten Boden meiner Küche. Quecksilbrig schmeckt die Banalität dieses gewöhnlichen Todes.

Mich widerstandslos der Erstarrung hinzugeben, das ist ein unaufhaltsamer Prozess, dem sich mein Leib bedauerlicherweise beugen muss. Mein herrenloser Körper, der meiner Regie längst entglitten ist, so wie sich alles drumherum nunmehr meiner Kontrolle entzogen hat. Die Zeit, der Ort, der Raum, das Ganze hat mit einem Schlag seine Rechte, seine Bedeutung eingebüßt. Geblieben ist allein das ordinäre Nichts. Es atmet nach verwesender Gegenwart.

Ist das eine der vielen grotesken Gesetzmäßigkeiten des Todes?, frage ich mich. Dass man selbst in diesem Zustand noch denken und fühlen kann wie ein Lebender? Ich spüre es jedenfalls überdeutlich, wie die Leichenstarre mit langsamer Stetigkeit körperabwärts wandert. Meine Augenlider, die Kaumuskulatur, die Gelenke – alles scheint auf einmal wie festgefroren. Na, wenn das nicht wunderbar ist! In sechs, maximal zwölf Stunden bin ich steifer als der steifste Bleistift.

Ich bin der Tote, den ich gerade betrachte. Schön oder attraktiv, ich gebe zu, das war ich schon zu Lebzeiten nie. Aber jetzt? O Gott, o Gott! Es hätte mich nicht schlimmer treffen können: hohlwangig und aschfahl; schäbig und abgezehrt; grässlich und knochig. In Gottes Namen, ja, ich bin der jämmerliche Tote, dessen Augen fest verschlossen sind, dessen Mund verbissen scheint, dessen Gesichtszüge überaus angestrengt wirken.

 


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