Der Zorn Lokis | Fantastische Geschichten aus Utgard

Der Zorn Lokis„Der Zorn Lokis“ bewirbt sich um die Teilnahme an der Anthologie „Fantastische Geschichten aus Utgard“. Ein Beitrag von MatthiasScheele: Loki erzählt seine Geschichte „Der Zorn Lokis“ selbst. Er kann das besser, als ich es je könnte 😉

Loki über Loki

Anders als immer behauptet bin ich eigentlich kein Freund großer Worte. Wer mich kennt, der weiß dies. Ich bin eher ein Mann der Taten und der Ehrlichkeit. Mein Motto ist „Sei stets du selbst und dir selber treu“. Verändere dich für niemanden.

Ich bin der, der ich bin. Das war ich schon immer. Diese Worte mögen seltsam anmuten, doch sie drücken genau das aus, was meiner Auffassung nach der Wahrheit am nächsten kommt. Je mehr man versucht, mich und mein Wesen zu erfassen, desto mehr wird man feststellen, wie ungreifbar diese doch sind.

Die Geschichte, die Matthias über mich schrieb, drückt meine Sehnsucht aus. Die Sehnsucht eines jeden, wenn man so will. Denn ob Gott oder Alb, ob Mensch oder Zwerg wir alle haben oder hätten gern eine Familie. Jemanden, der dich liebt, Kinder, die dir jeden Tag ihr Kostbarstes schenken, was sie haben: ihr Lachen. Lachen, das die Seele füllt und zum mitlachen einlädt. Lachende Kinderaugen sind wie der Sternenhimmel. Nur ohne trübende Atmosphäre oder Wolken, die die Sicht behindern. Sie sind wie ein wunderschöner Sonnenaufgang im Sommer des Lebens.
Und für all das verlangen sie nur eines: Liebe und Geborgenheit.

Es ist das größte Glück auf Erden. Wie viele versuchen Kinder zu bekommen und es klappt einfach nicht? Dank moderner Medizin kann dieses Glück heute praktisch jeder erleben.

Wie es anfing

Aber so war es nicht zu meiner Zeit. Mir wurde dieses Glück genommen. Ich frage mich bis heute, was eigentlich geschehen ist.

Ihr meint jetzt sicher, dass alles im Eisenwald mit meiner ersten Frau Angrboda anfing. Doch wie ihr in der Geschichte lesen werdet, begann es schon viel früher mit meinem Sohn Sleipnir, den ich gebar, dessen Mutter ich bin. Wie das möglich ist, fragt ihr? Lest die Geschichte. Jedenfalls sollte der Allvater das lieber nicht wissen und so ließ ich Sleipnir schweren Herzens bei ihm. Aber wohl wissend, dass ihm dort nichts geschehen würde.

Einige Zeit danach hatte ich eine Familie im Eisenwald und drei wundervolle Kinder, die mir alle durch den Allvater genommen wurden. Als es passierte war ich in Asgard. Ein Göttergeschlecht, welches sich selbst „Wanen“ nennt hatte offenbar Streit mit Odin und den Asen. Ich beschloss also meine Heimat im Eisenwald, und damit meine Familie, zu verlassen. Ich wollte sehen, ob man diesen Zwist nicht vielleicht friedlich beilegen konnte, weil ich ahnte, welche Folgen ein Krieg für die anderen Welten bedeuten würde.

Der Zorn LokisAnders als die Asen, wusste ich ja, wer die Wanen waren. Meine eigene Mutter gehörte ebenfalls zu jenem Volk. Schließlich gelang es uns Frieden zu stiften.

Am Abend gab es eine große Feier mit Asen und Wanen. Geschichten wurden ausgetauscht, Friedensgespräche geführt, viel gegessen und getrunken. Doch etwas war seltsam: Odin war schon nach kurzer Zeit verschwunden. Da ich mich selbst köstlich amüsierte, dachte ich mir nichts dabei. Weshalb auch. Bis zu diesem Tag hatte ich keinerlei Grund, ihm zu misstrauen.

Das sollte sich schnell ändern. Einige Tage später wollte ich nach Hause zurückkehren, doch Odin wollte mich nicht lassen. Er sprach davon, wie viel wir schon zusammen erreicht haben und das ich doch noch bleiben solle.

Macht und Intrigen

Meine Arbeit war getan. Ich vermisste meine Frau Angrboda, das Lachen meiner Kinder. Wie sie sich um mich drängten, wenn ich nach meinen Reisen heimkehrte. Ich verabschiedete mich also von Odin und sagte ihm, dass ich von nun an bei meiner Familie bleiben werde.

Doch als ich nach Hause kam sollte mich der Schreck meines Lebens ereilen. Ich spürte gleich, dass etwas nicht stimmen konnte, als ich den Eisenwald betrat. Es lag eine Schwere über ihm, wie ich sie noch nie zuvor gespürt hatte. Sofort überkam mich das dringende Verlangen, nach Hause zu laufen.

Die Tür stand weit offen, das Herdfeuer war kalt und als ich draußen nach meinen Kindern rief, fand ich sie: Angrboda. Sie lag tot am Boden und noch halb vom Schnee des Winters bedeckt, der sich wie eine schützende Decke über ihren Körper gelegt hatte. Ich sackte zusammen. Was war hier nur geschehen? Vor allem wann und wie? Angrboda war eine ausgezeichnete Jägerin und auch Kämpferin. Herauszufinden, was geschehen war, sollte fortan mein Leben bestimmen.

Schließlich erfuhr ich es von Freyr, dem Sohn des Wanenkönigs. Von irgendwoher war Odin der Floh ins Ohr gesetzt worden, meine Kinder wären gefährlich und würden ihn eines Tages von Thron stürzen.

Die Suche

Nur, um das klar zu stellen.
Sie hätten niemals jemandem etwas zuleide getan! Warum denn auch? Sie wuchsen zwar in einfachen Verhältnissen auf, aber dennoch mit Sinn für Gerechtigkeit und Güte und auch Mitgefühl für andere Lebewesen. Stattdessen kamen die Asen mit Schwert, Schild und Speer. Sie entführten meine Kinder, nahmen sie mit auf den Bifröst. Aber nicht, um sie nach Asgard zu ihrem Vater zu bringen.

„Der Zorn Lokis“ ist die Geschichte der Befreiung meiner Kinder. Die Geschichte meiner Rache an den Asen und der Beginn einer Suche, die schon begann, als Odin meine Geliebte Sigyn dabei zusehen ließ, wie er eines unserer Kinder durch den eigenen Bruder ermorden ließ.

Es ist die Suche nach dem verlorenen Sohn.


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Bild „Der Zorn Lokis“ von Matthias Scheele
Bild Mitte: Angrboda (im Hintergrund) und ihr Gezücht: die Midgardschlange, Hel und Fenrir. (Emil Doepler, 1905) | © PD

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Eine Antwort

  1. 2. Mai 2021

    […] von Nicole Kunkel „Hinter dem Nebel“ von Birgit Scheele „Der Zorn Lokis“ von Matthias Scheele „Die Stimmen der Raben“ von Gianna Bernstein […]

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